Hornschlitten.eu

VOLKSSPORT TRUSETAL gewinnt Saisonausklang

Ein Doppelsieg am Fichtelberg

Zum Saisonausklang die Südthüringer Meisterschaften
in Oberwiesenthal

Von Rainer Koch

Oberwiesenthal – Acht Schlitten unter den besten Zehn, den Seriensieger und bis dato vielleicht besten deutschen Schlitten „Vögelfreunde Oache Sticht“ aus Kochel am See auf Rang drei verwiesen – das Rennen um den „Großen Preis von Oberwiesenthal“ erwies sich als offene Südthüringer Meisterschaft mit Beteiligung von Schlitten aus anderen deutschen Regionen. Selbst die Brotteröder Seimbergrutscher distanzierten als 32. noch weitere 20 Schlitten.

Um den Grand-Prix-Sieg lieferten sich auf der rund 1,8 km langen, steilen Strecke Volkssport Trusetal mit Ralf Messerschmidt am Steuer und der Inselbergexpress von Ede Fuchs (WSV Kleinschmalkalden) ein spannendes Rennen, das schließlich die Trusetaler hauchdünn mit zwei Zehntelsekunden Vorsprung für sich entscheiden konnte. Die Bayern aus Kochel am See als Dritte hatten da schon knapp drei Sekunden Rückstand, es folgte mit einem gehörigen Abstand von neun und mehr Sekunden die weitere Südthüringer Streitmacht Wallenburger Trusetal (4.), Vorjahreszweiter Snow-fighter Brotterode (5.), Trusetaler Hornschlittenfreunde (6.) und als Siebente die Brotteröder F(l)achmänner um Frieder Baldauf, die damit „auswärts“ ihre bisher beste Platzierung schafften. Hinter Schmölln I fuhren die beiden Kleinschmalkalder Schlitten „Hirschhörner“ und „Holzwürmer“ auf die Ränge neun und zehn, die „Rennsteigrutscher“ Brotterode wurden 13., der Wintersteiner Rennsteigblitz 16., die Trusetaler Pflegefälle 18.

Im Damenbereich schaffte es der neu gegründete Brotteröder Schlitten „Seimbergrutscher Ladiesteam“ in seinem zweiten Rennen auf den mehr als beachtlichen Rang drei, die Siegerinnen „Quickie III“ vom gastgebenden SC Traktor Oberwiesenthal fuhren mit ihrem nagelneuen, eben erst gelieferten Schlitten aus der Trusetaler Werkstatt von Ralf Messerschmidt souverän auf den obersten Podestplatz.

Ideallinie gefunden

Alle gestarteten mehr als 60 Schlitten hatten es mit den widrigsten Witterungsverhätnissen zu tun, die man sich nur vorstellen kann. War die Piste am Donnerstag noch extrem schnell mit Geschwindigkeiten im Zielhang nahe 100 km/h, hatte sie der kalte Neuschnee von Freitag und Samstagfrüh extrem stumpf gemacht. „Bestimmt mehr als eine halbe Minute langsamer“, schätzte Ralf Baumhämmel ein. Vor allem im steilen Zielhang „bremste uns alle der Pulverschnee ohne eigenes Dazutun regelrecht ab“, berichtete Sieger Messerschmidt. Da kam es natürlich erst recht darauf an, die Ideallinie zu finden. Und ganze Kerle waren diesmal noch gefragter. Denn am Start hoch droben auf dem Fichtelberg wetterte ein Sturm, gegen den man sich erst einmal behaupten musste, ehe der Schlitten in Fahrt gebracht werden konnte. Um das vom Veranstalter mit viel Trara angekündigte „Domina-Rennen“ konnte man sich da nicht so recht kümmern. Offensichtlich meisterten dafür die Schlitten aus der Südthüringer Bergregion die widrigen Bedingungen am besten und kehrten am Sonntag – da bei strahlendem Bilderbuchwinterwetter – sehr zufrieden in die Heimat zurück. Vor allem Gewinner „Volkssport Trusetal“, dem 2010 ein weiterer Sieg in Brotterode, Platz zwei in Kleinschmalkalden sowie Rang drei in Garmisch- Partenkirchen gelang. Nicht viel nach steht dem der Inselbergexpress: Erster in Kleinschmalkalden, Ränge zwei in Brotterode und Oberwiesenthal, 8. in Garmisch-Partenkirchen.

Die Wallenburger Trusetal mit Ronald Luck, Volker Ullrich, Martin Hauschild, Peter Hauschild schafften Rang drei in Brotterode, vier in Kleinschmalkalden und Oberwiesenthal, 37. in Garmisch-Partennkirchen, während Ralf Baumhämmels Snowfighter auf die Ränge 3 (Kleinschmalkalden), 5 (Oberwiesenthal), 6 (Brotterode) und 14 (Garmisch-Partenkirchen) verweisen können.

Nun gilt es, noch einen Termin zu überstehen: Der Ruhlaer Hörnerschlittenfahrer (Seimbergrutscher) und Gastwirt Dieter Koch lädt für den 13. März erstmals zu einem Hörnerschlitten-Abwintern auf die urige Ruhlaer Geißenalm ein. Nähere Infos gibt es unter Tel.036929 / 63584.

Artikel erschienen am 09.03.2010 STZ

Volkssport Trusetal mit Ideallinie

“Volkssport Trusetal” mit Ideallinie

5. Hörnerschlittenrennen in Brotterode: Zuschauer sahen spannendes Duell am Seimberg
Von Rainer Koch

Ralf Messerschmidt und sein Schlitten “Volkssport Trusetal” auf dem Weg zum Sieg am Brotte-röder Seimberg.
Brotterode – Wenn auch Dunst und Nebel für wenig einladende Wetterverhältnisse sorgten – das 5. Hörnerschlittenrennen in Brotterode wurde zum erwarteten volkssportlichen Großereignis in der und um die Werner-Lesser-II-Skiarena. Eingefunden hatten sich dort weit mehr als 1 500 Neugierige aus nah und fern, die die Strecke dicht an dicht säumten und die Schlitten auf ihren schnellen oder weniger schnellen Fahrten gleichermaßen anfeuerten – eine prächtige Kulisse. Dass manche aber während des Rennens immer wieder die Strecke betraten und sogar ihre Kinder rodeln ließen, irritierte nicht nur die Besatzungen der Schlitten, sondern brachte die Unvernünftigen selbst am meisten in Gefahr. Glücklicherweise blieb alles im Lot.

In einem begeisternden sportlichen Duell mit dem Inselbergexpress von Ede Fuchs, der vor zwei Wochen am Kleinschmalkalder Schartekopf triumphiert hatte, setzte sich der Schlitten von Volkssport Trusetal mit Ralf Messerschmidt, Steffen Schmauch, Thomas Klinger und Thomas Wolf durch. Somit gab es an der Spitze denselben Einlauf wie vor einem Jahr.

Der von Ralf Messerschmidt gelenkte Siegerschlitten fuhr an der Badewanne zweimal hintereinander nahezu Ideallinie. Dass er schnell unterwegs sein würde, konnte man da schon sehen. Schließlich besiegte er den Inselbergexpress aber doch nur um die Winzigkeit von einer reichlichen Sekunde, herausgeholt im ersten Lauf mit 46:64 zu 47:68 sec für die knapp 800 Meter. Im zweiten Lauf waren beide Schlitten nahezu zeitgleich unterwegs (47:59 sec die Volkssportler, 47:70 sec der Inselbergexpress). Die Trusetaler haben damit auch den ersten Rekord auf der noch ausbaufähigen neuen Strecke am Seimberg erobert. Wie schon in Kleinschmalkalden zeigte sich in Brotterode erneut, dass nur noch minimale Zeitunterschiede über die Spitzenplätze entscheiden. Die ersten fünf Schlitten blieben in einem Limit von lediglich elf Sekunden – und das in zwei Läufen!

Als im zweiten Lauf die Brotteröder Snowfighter, wie alle Schlitten der Bergstadt mittlerweile einer eigenen Sektion im WSV angehörend, den Zielhang hinein in die Skiarena hinunterschossen, konnte man ebenfalls an eine äußerst schnelle Zeit glauben. Wenige Meter vor Passieren der Zeitnahme aber riss es den Schlitten jäh aus dem Schnee. Der Sturz sah schlimm aus, vor allem für den ersten Mann Ralf Baumhämmel, der das Gefährt und seine Hintermänner abbekam, doch Schlittenfahrer sind harte Burschen. Etwas weiß im Gesicht, rappelten sich alle vier wieder auf.

Durch dieses Pech war der Weg auf Rang drei frei für die Wallenburger aus Trusetal (Ronald Luck, Volker Ullrich, Stefan Mäurer, Peter Hauschild). Sie konnten erstmals in ihrer Geschichte auf einen Treppchenplatz fahren und verdienten sich dies vor allem mit einem hervorragenden ersten Lauf, als sie in 47:14 sec sogar noch schneller unterwegs waren als der Inselbergexpress. Die Snowfighter wurden immerhin noch Sechste.

Erstmals nahm auf Initiative von Fredi Schmidt von den Seimbergrutschern aus Brotterode (10. Platz) auch ein “Seimbergrutscher Ladiesteam” das Rennen auf. Die vier mutigen Brotteröder Frauen taten dies auf Anhieb gar nicht einmal so schlecht und waren beispielsweise schneller als das gemischte Extrem-Racing-Team, der zugegebenermaßen etwas unorthodox ausschauende “Hörnerbock” aus Schmölln oder der “Flinke Ostwind” aus Fambach.

Mit dankenswerter materieller und finanzieller Unterstützung durch die Stadt und ihren Bürgermeister Kurt Lachmund, selbst ein großer Hörnerschlittenfan, der den ganzen Nachmittag über ausharrte, hatten die Mitarbeiter des Bauhofes, vor allem Thomas Storch und Chris Bartholmäs, die abwechslungsreiche und schnelle Strecke hervorragend präpariert. Zu den vielen uneigennützigen Helfern zählten neben dem WSV, der Sektion Eishockey (namentlich Andreas Steinbach) sowie dem Fremdenverkehrs- und Gewerbeverein von Brotterode auch Herr Kaiser und sein Team, die Fleischerei Lesser, das Team des Hotels Berggarten und der Disco BTD sowie der Kleinschmalkalder Schlittenfreund Luis, der bei den Problemen mit dem Transport der Schlitten einsprang.

Fazit: Der Anfang am Seimberg auf einer prima Strecke ist gemacht, von den Unzulänglichkeiten etwa beim Schlittentransport oder der teils wilden Parkerei der anreisenden Fans wurde Lehren für das Rennen 2011 gezogen.

Am Rande des Rennens wurde bekannt, dass es in Seligenthal in diesem Jahr entgegen ursprünglich anderslautender Aussagen des 1. Thüringer Hörnerschlittenvereins wohl nun doch ein Rennen geben soll, und zwar am 27. Februar. Nach dem Saisonabschluss mit dem Großen Preis von Oberwiesenthal am 6. März lädt dann der Ruhlaer Hörnerschlittenfahrer und Gastwirt Dieter Koch (Seimbergrutscher) für den 13. März erstmals zu einem Hörnerschlitten-Abwintern auf die Ruhlaer Geißenalm ein. Geplant ist ein Bustransfer, nähere Infos gibt es unter Tel. 036929/63584.

Gibt es einen neuen Streckenrekord?

Gibt es einen neuen Streckenrekord?

WSV Kleinschmalkalden lädt auf den Schartekopf ein / Heute bereits Trainingsläufe

Mit Mut und Geschick begeben sich die Hornschlittenbesatzungen bergabwärts.

Kleinschmalkalden – Die Strecke ist von den Kleinschmalkalder Hörnerschlittenfreunden um Ralf Berlit und Matthias Darr präpariert, Glühwein und Bratwürste zum Verzehr bereit, die Meteorologen verheißen bis Samstag leichte Minusgrade – dem 2. Hornschlittenrennen am Schartekopf am Samstag, dem vierten insgesamt in Kleinschmalkalden, steht nichts mehr im Wege.

Für die Premiere der neuen, bereits 2007 gebauten Strecke, die mangels Schnee erst im Vorjahr steigen konnte, hatten sich nicht weniger als 20 Schlitten eingefunden, selbst solche aus Coburg, Schmölln und Altenburg. Nach dem Rennen waren alle sich darin einig – diese fast 1 100 Meter lange Strecke mit 180 Höhenmetern genügt höchsten Ansprüchen. Sofort vom Start unweit des 780 m hohen Schartekopfs entfernt, geht es wahnsinnig steil abwärts, am Ende jener ersten Passage sind an der Kreuzung zum “Horizontalweg” mit der Kurve und dem folgenden “Sprunghügel” die Knackpunkte zu bewältigen, weshalb dort auch ein Zuschauerpunkt harrt, denen rasender Sport tollkühner Männer geboten wird.

Den ersten Streckenrekord stellten am 31. Januar 2009 die aus Hohleborn kommenden “Tunnelrenner” des WSV Kleinschmalkalden mit 1:08,23 min auf, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 60 km/h. Im zweiten Durchgang stürzten allerdings die Mannen um Ingemar Funk, sodass sich Volkssport Trusetal in der Endabrechnung durchsetzte (2:18,53). Als erneuter Dritter der 41. offenen bayerischen Meisterschaft vom 6. Januar in Garmisch-Partenkirchen sind sie genau wie der vorjährige Dritte “Thüringer Inselbergexpress” um Ede Fuchs vom gastgebenden WSV (Rang acht in Garmisch-Partenkirchen) auch in diesem Jahr favorisiert. Rang zwei belegten 2009 die “Thüringer Jägermeister”, die heuer an der Partnachalm nicht starteten.

Das Kleinschmalkalder Hornschlitten-Wochenende beginnt bereits heute. Ab 14 Uhr ist das offizielle Training angesetzt, um 16.30 Uhr findet am Zielbereich die Startnummernvergabe und ein “Vorglühen” statt.

Das Rennen selbst wird am Samstag, um 14 Uhr gestartet. Abends ab 19 Uhr (Einlass und Essen 18 Uhr) findet im “Adler” die Siegerehrung und das “Après-Schlitten” statt.

Der Weg zur Strecke am Ortsausgang von Kleinschmalkalden Richtung Brotterode rechts ist ausgeschildert, der Weg bergauf zu den Parkplätzen unmittelbar am Zielgelände abgestreut und jeweils nur bergan oder bergab befahrbar, reguliert von der Freiwilligen Feuerwehr. Wer sein Auto in der Ortsmitte von Kleinschmalkalden abstellt, muss mit einem Fußmarsch von einer reichlichen Stunde bergauf zum Schartekopf rechnen . hrk

Den Bayern das Fürchten gelehrt

Den Bayern das Fürchten gelehrt

Hornschlittensport | Erfolgreichstes Jahr für Südthüringer Teams in Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen – „Mittlerweile begegnen die Bayern uns schon mit gehörigem Respekt“, sagt Ralf Messerschmidt. Am 23. Januar sind all die „Helden aus Partenkirchen“ und weitere Schlitten in Kleinschmalkalden zu sehen. Ralf Messerschmidt, der Tischler und Sportler aus Trusetal, ist mit seiner Crew der „dienstälteste“ Hornschlittenfahrer aus Südthüringen in Garmisch-Partenkirchen. Und der Erfolgreichste. Gemeinsam mit Steffen Schmauch, Thomas Klinger und Torsten Wolf gelang ihm in diesem Jahr das Kunststück, seinen dritten Platz aus dem Vorjahr zu wiederholen.

Das seit 1969 alljährlich am 6. Januar ausgetragene Hornschlittenrennen in Garmisch-Partenkirchen, die „offene bayerische Meisterschaft“, ist unter den Hornschlittensportlern das Rennen der Rennen. Erst wenn man die Partnachklamm bezwungen hat, in der Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h erzielt werden, gehört man sozusagen dazu. In diesem Jahr waren es knapp 90 Schlitten, die vor weit über tausend Zuschauern bei eisiger Kälte die Herausforderung annahmen, darunter acht aus dem Südthüringer Raum.

Bereits kurz nachdem das Hornschlittenfieber in der Region ausbrach, nahmen die Pioniere dieses Sports aus Seligenthal am Garmisch-Partenkirchener Rennen teil. Das war 2004. Ralf Messerschmidt und seine Gefährten sind unter dem Namen „Volkssport Trusetal“ seit 2005 ununterbrochen mit dem ständig verbesserten Schlitten dabei. Das sich verbreitende Hornschlittenfieber führte zur Rekordbeteiligung von elf Mannschaften im Jahr 2008 aus Trusetal, Kleinschmalkalden und Brotterode. Spätestens seit 2009, als „Volkssport Trusetal“ sensationell auf den bronzenen Rang fuhr, war der Durchbruch geschafft. Die Bayern mussten konstatieren, dass „ihr Sport“ sich auch jenseits des Weißwurstäquators durchgesetzt hatte.

Die Bedingungen in diesem Jahr waren nicht gerade einladend. „Sehr viel Eis, mulmiger, weil nicht festgefahrener Kunstschnee“, konstatiert Messerschmidt. Da mussten die Besatzungen mit vollster Konzentration fahren, die Hintermänner waren immer wieder gefragt, in den schwierigen Flachpassagen Fahrt zu machen.

Wie die Volkssportler aus Trusetal waren eigentlich alle Besatzungen aus der Region vollauf zufrieden. „Beinahe alle von uns haben im Vergleich zum Vorjahr auch den Rückstand auf die Besten verringern können“, macht Ralf Baumhämmel aus Brotterode auf einen weiteren Aspekt neben der Platzierung aufmerksam. Der erstmals von ihm selbst gelenkte Schlitten „Brotteröder Snowfighter“ hatte 2009 noch elf Sekunden Rückstand auf den Dauersieger „Vögelfreunde, Oache Sticht‘ vom Kochelsee“ und damit Platz 25, in diesem Jahr wurde der Abstand auf sieben Sekunden verringert, was für Baumhämmel, René Treptow, Daniel Voigt und Silko „Bob“ Raßbach den 14. Rang bedeutete. „Und das alles ohne Training“, setzt Baumhämmel hinzu. Das fiel wegen schlechter Schneeverhältnisse aus.

Noch besser fuhr der alte Haudegen Eduard „Ede“ Fuchs gemeinsam mit Andreas Koch, Lars Wagner und Oliver Grothkopp. Sein für den WSV Kleinschmalkalden startender „Inselbergexpress“ belegte den 8. Rang und schaffte ebenfalls sein bestes Resultat. Seinen 19. Platz von 2009 wiederholen konnte Ralf Berlits „Extrem Racingteam“ (mit Ingmar Funk, Michael Ullrich, Christian Boost) aus Kleinschmalkalden. Persönliche Bestleistung schafften schließlich die „Holzwürmer“ aus Kleinschmalkalden (Klaus Rassbach, Felix Meyer, Markus Bednarek, Rene Höhn) auf Rang 26, während „Wallenburger Trusetal“ (Ronald Luck, Volker Ullrich, Stefan Mäurer, Peter Hauschild) auf Platz 37 und die Brotteröder „Seimbergrutscher“ (Fredi Schmidt, Reinhardt Faltermaier, Wolfgang Dömming, Dieter Koch) auf Rang 55 fuhren.

In Bälde beginnt auch hier die Saison. Der Auftakt wird am 23. Januar auf der von den Hornschlittenfreunden des WSV Kleinschmalkalden inzwischen fertig präparierten, spektakulären Strecke am Schartekopf vollzogen. Am 6. Februar laden die Brotteroder alle Schlitten auf ihre neue Strecke am Seimberg ein, ein oder zwei Wochen später soll das Rennen in Trusetal-Laudenbach folgen. Zum Saisonausklang fahren dann alle wieder an den Fichtelberg, wo am 6. März der Große Preis von Oberwiesenthal auf der anspruchsvollsten aller Strecken folgt.

Quelle: STZ

Hornschlitten-Rennen: Mit Tempo 90 ins Ziel

Hornschlitten-Rennen: Mit Tempo 90 ins Ziel

Garmisch-Partenkirchen – Die Titelverteidiger aus Schlehdorf haben zum dritten Mal das traditionelle Hornschlitten-Rennen von der Partnachalm zur Wildenauer Straße gewonnen.

Heuer rasten 90 Viererteams die knapp 900 Meter lange Rennstrecke mit einer Höhendifferenz von 160 Metern hinab.

Das Team „Neuneralm Express“ aus Grainau landet mit einer Sekunde Rückstand knapp dahinter.

Mit einem Affentempo schießt der Schlitten vom Team „Jura I“ auf den kleinen Sprung zu, hebt ab und landt unsanft etwa drei Meter hinter der Ziellinie. Als sich der Schneestaub verzieht, erkennen die Zuschauer, was da so fürchterlich gekracht hat. Den Hornschlitten unter den vier Mannsbildern können die Bruchpiloten nur noch als Brennholz verwenden.

Zum 41. Mal fand am gestrigen Drei-Königstag das traditionelle Hornschlittenrennen statt. Waghalsige Fahrmanöver blieben dabei nicht aus, und um ein Haar hätte es heuer wieder einen einheimischen Sieger gegeben. Gerade mal eine Sekunde fehlten den Männern vom „Neuneralm Express“ am Ende für den ersten Platz. Den holten sich die „Vögelfreunde Oache Sticht vom Kochelsee“ mit einer Zeit von 1:35,30 Minuten. Und das bereits zum dritten Mal. Die Starter vom „Volkssport Trusetal“ aus Thüringen sicherten sich, wie auch im vergangenen Jahr, den dritten Platz.

364 Männer und Frauen stellten sich heuer der Herausforderung, die 1,2 Kilometer lange Strecke von der Partnachalm zur Wildenauer Straße hinabzufahren. Dass es auf der eisigen, teilweise extrem steilen Piste bis zu 90 Stundenkilometer schnell werden kann, hielt die Hobbysportler nicht ab.

„Wenn man am Start steht zittern einem schon ganz schön die Knie“, gibt Martin Hohenreiter aus Lenggries zu.“ Das bestätigt auch Tine Pfeiffer, die mit ihrem Team „de Gwebsad’n“ gleich als erstes auf die Piste musste. „Heute hab ich richtig Angst, weil uns gestern die Bremsen abgebrochen sind. Ich hoff´ das passiert uns nicht noch einmal.“ Abschrecken ließen sich die vier Frauen davon jedenfalls nicht. Wagemutig stürzten sie sich die knapp 160 Höhenmeter hinab. Den „Waxlstoana Berggams´n“, die mit einer Zeit von 1:40,79 den Sieg davon trugen, wurden die vier aber nicht gefährlich. Da sie bei einem Sturz eine ihrer Mitfahrerinnen verloren hatten, wurden ihre Zeit nicht gewertet.

Fast wäre das den Titelverteidigern vom Kochelsee auch passiert. „Beim Anschieben bin ich ins Stolpern geraten. Ich bin aber auf den Schlitten gefallen und konnte noch mitfahren“, erklärt Rupert Niebling. Den Sieg ließen sich die Vier nicht nehmen. „Wer bremst verliert“, sagt Lenker Toni Suttner. „Außerdem haben wir alle extra fünf Kilo zugenommen um hier zu gewinnen“, ergänzt Niebling lachend.

Den Streckenrekord von 1:25,67 Minuten, den die „Vogelfreien“ 2004 aufgestellt hatten, erreichten die Kochler aber auch heuer nicht. „Im unteren Streckenabschnitt war einfach zu viel loser Schnee. Der hat enorm gebremst“, erklärt Niebler. Das sei auch gut so, meint Peter Strodl, Erster Vorsitzender des Hornschlittenvereins: „Unter dem Schnee war pures Eis. Das wäre einfach zu schnell geworden.“

Quelle: Marcus Schoft (merkur-online)

Tausende Zuschauer bei Hornschlittenrennen

Tausende Zuschauer bei Hornschlittenrennen

Garmisch-Partenkirchen – 360 Wagemutige haben am Dreikönigstag in Garmisch-Partenkirchen beim 41. Hornschlittenrennen um den bayerischen Meistertitel gekämpft. Bei eisiger Kälte feuerten mehrere Tausend Zuschauer die 90 Viererteams an. Bis zu 90 Stundenkilometer können die Hornschlitten mit ihren hochgebogenen Kufen erreichen. Die Piste war stark vereist. Wohl ein Vorteil für die Renn-Veteranen: Denn bei den Herren gewannen wie schon im Vorjahr die “Vögelfreunde “Oache Sticht” vom Kochelsee”. Die Damen der “Waxlstoana Berggams”n” holten zum fünften Mal in Folge den Titel. dpa

Ein Virus breitet sich rasant aus

Ein Virus breitet sich rasant aus

Rund 15 Besatzungen in Südthüringen / Wettkämpfe locken Zuschauer in Scharen
Von Rainer Koch

Seligenthal/Brotterode/Trusetal/Kleinschmalkalden – Manch ein zufällig des Wegs Kommender mag sich verwundert die Augen

Bereichert das Sportgeschehen in Südthüringen und hat längst seine Anhänger gefunden: Hornschlittenrennen.

reiben. Trubel am steilen Hang. Alt und jung tummelt sich fröhlich gut vermummt. Partymusik schallt herüber, unterbrochen von seltsamen Ansagen: „Wo nur bleiben die Seimbergrutscher?“, „Am Start jetzt die Holzwürmer. Und ab geht die Fuhre!“. Dampf steigt auf, Bratwurst- und Glühweinduft machen neugierig.

Start? Offensichtlich geht hier irgendein ein Sportereignis vonstatten. Da schält sich auch schon ein Gefährt aus dem Nebel. Ein Mann mit Helm ist zu erkennen, ein Holzscheit fest in der Hand, die Füße bedarfsweise im hochauf stiebenden Schnee, flankiert von zwei – man könnte Hörner aus Holz dazu sagen. Hinter dem Ersten sitzen noch zwei, ganz hinten auf den verlängerten Kufen steht ein Vierter, legt sich waghalsig in die letzte Kurve. Und schon rauscht der Inselbergexpress durch die gedachte Linie der elektronischen Zeitnahme.

Solches war zu erleben an den letzten Wochenenden in Kleinschmalkalden und Brotterode. Erstmals in Trusetal, nur die Seligenthäler hatten wieder einmal Pech. Das sind in Thüringen die vier Hauptorte dieses Sports: Hornschlittenrennen. Die diesjährige beständig schneereiche und oft kalte Witterung machte es möglich, dass nicht nur die weitläufig bekannten Wintersport-Sparten Hochkonkunktur hatten, sondern nach den zwei ausgefallenen Wintern 2007 und 2008 auch die Exoten, etwa die Hornschlittensportler, wieder voll auf ihre Kosten kamen. An den Südwesthängen des Thüringer Waldes ist es längst ausgebrochen, das Hörnerschlittenfieber. Wie in Bayern, wo jährlich am Dreikönigstag, dem 6. Januar, in Garmisch-Partenkirchen zur offenen bayerischen Meisterschaft meist über 100 Schlitten gen Tal sausen.

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Anfänge in Seligenthal

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Die ersten Hornschlitten-Viren in der Region streute der Seligenthäler Kirmesverein. Immer auf der Suche nach spaßigen Events kam er 1999, 2000 auf die Idee, ein Rennen zu veranstalten, wie es einem das Fernsehen aus Bayern in der Faschingszeit vorsetzte. Mit Gaudischlitten. Sofas sausten da alsbald in Seligenthal hinab, Badewannen, eine Lok und sogar ein Trabbi auf Kufen. Der Erfolg war so unerwartet wie ungeheuer. Hunderte, ja einmal sogar 2000 Zuschauer säumten die Strecke. Gegründet wurde der „1. Thüringer Hörnerschlittenverein Seligenthal“.

Doch „echte“ Hörnerschlitten brachten erst Männer aus Schmölln im Jahr 2003 herbei. Solche, wie sie früher die Bergbauern zum Transport von Heu und Holz von der Alm ins Tal benutzten. Schlitten „Werdenfelser Bauart“, die strengen Kriterien unterliegen, damit die Bedingungen für alle annähernd gleich sind. In der Rennsteigregion baute als erster Tischlermeister Ralf Messerschmidt einen solchen Schlitten und fuhr mit seiner Crew 2004 erstmals in Garmisch-Partenkirchen mit: Platz 54, respektabel. Sein Schlitten „Volkssport Trusetal“ ist heute der Erfolgreichste in Thüringen, drang am 6. Januar 2009 in Garmisch gar als Dritter in die Phalanx der Bayern ein. Eine Majestätsbeleidigung!

Angesteckt aber wurden schon Mitte des Jahrzehnts weitere Trusetaler, dann die Kleinschmalkalder, schließlich Brotteröder, Männer aus Winterstein. In diesem Jahr verbreitete sich das Virus weiter, bis nach Fambach. Mittlerweile dürften es um die 15 Besatzungen sein, die sich mit Rennen im „Ausland“ nicht mehr zufrieden geben. Ab 2005 fanden solche auch hierzulande statt. Mit Strecken von 1000 bis 1700 Metern Länge, bei 150, 170 Meter Höhenunterschied.

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Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h

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Die am Schartekopf in Kleinschmalkalden ist die spektakulärste, von den Schlittenfahrern im WSV Kleinschmalkalden am aufwändigsten ausgebaute. Dort saust man in der Spitze mit über 70 km/h zum Ziel! Für die Vierer-Besatzungen, vorn der Lenker und Bremser, ganz hinten der Anschieber, in der Mitte die zwei Helfer, ist das Ganze ein echter Sport voller Kameradschaftsgeist. Mutige Kerle müssen es sein, die sich auf die Schltten setzen, möglichst gut Trainierte. Blessuren aller möglichen Art müssen in Kauf genommen werden, alles ist möglich bei rasender Fahrt auf vereister Bahn. Hörnerschlittenrennen ist für die Zuschauer, die weiterhin zu Hunderten angelockt werden, eine sportliche Attraktion: Zu erschaudern, wenn der Schlitten in der Kurve kippt, die Männer sich schnell wieder finden, aufsitzen, weiterrasen. Von oben bis unten mit Schnee bespritzt zu werden. Anfeuern die Kerle, die flotten!

Mut und Körperbeherrschung, kalkuliertes Risiko ohne Angst, Platz auf dem Podest oder Ausscheiden bei allzu viel Wagnis; Sport, Attraktion und Party im Schnee – all das ist Hörnerschlittensport, von dem es in der Schweiz, in Italien gar Europapokalläufe gibt.

Vor einer Woche war die Thüringer Hornschlittengilde beim Abschlussrennen in Oberwiesenthal. Die Strecke den Fichtelberg hinab gilt als anspruchsvollste Deutschlands. 13 Schlitten der hiesigen Region gingen an den Start. Und sie fuhren unter den 50 Teilnehmern allesamt auf Plätze unter den ersten 20, die erst 2008 gegründeten Snowfighter aus Brotterode um Ralf Baumhämmel, vor einer Woche beim Wasserfallpokal in Trusetal-Laudenbach noch so gestürzt, dass ihr Schlitten zerbarst, fuhren mit ihrem eilends repariertem Boliden auf Rang zwei, Volkssport Trusetal kippte um, wurde aber immer noch Vierter.

Das Virus ist nicht aufzuhalten. Er ist unterwegs. Ungebremst.

Auf Kufen durch schweren, nassen Schnee

Auf Kufen durch schweren, nassen Schnee: Rodeltalente am Start

„Holzwürmer Kleinschmalkalden“ siegten beim ersten Hörnerschlittenrennen

Trusetal – Die Gelegenheit, mit Bürgermeister Karl Koch

Auch die „Brotteröder Rennsteigrutscher“ hatten Spaß an dem Rennen.

einmal so richtig Schlitten zu fahren, ergab sich nicht. Der erste Mann im Ort, der sonst jede Gaudi mitmacht, stand dafür ausnahmsweise einmal nicht zur Verfügung. Im Anzug schaute er bei der Premiere des Trusetaler Hörnerschlittenrennens um den Wasserfall-Pokal nur von der Seite zu. Es warteten noch andere Termine auf ihn, die seinen Besuch auf die Startphase des Rennens begrenzten. Dafür schauten einige hundert Besucher den beiden Wertungsläufen der großen Hörnerschlitten und dem Schlittenrennen der Kinder begeistert zu.

Zu dem Rennen hatten die Hörnerschlittenteams aus Trusetal, die Tourismus GmbH des Ortes und die Skifreunde Laudenbach gemeinsam eingeladen. Fast parallel zum Skilift führte die Strecke von der Kopfstation auf einem Waldweg zur Talstation und weiter hinunter bis fast an die Straße zur „Hohen Klinge“. Die Strecke war rund 1,6 Kilometer lang, der schwere, nasse Schnee bremste aber nahezu jede Schnellfahrt. Erstaunlich, dass die Organisatoren die Fahrspur noch so gut präparieren konten, dass das Rennen überhaupt möglich wurde.

Nach 195 Metern Höhenunterschied hatten die Hörnerschlittenteams je nach Geschick rund zwei bis drei Minuten Fahrzeit hinter sich. Nicht jede Mannschaft kam ohne Blessuren durch den ersten Teil der Strecke, der teilweise von Spurrinnen gezeichnet war. Dass selbst beim Zieleinlauf noch Konzentration gebraucht wurde, bewies sich auch mehrfach. So kamen die „Brotteroder Schneeflöckchen“ kurz vor der Ziellinie noch vom rechten Weg ab und büßten dadurch schon im ersten Lauf wertvolle Zeit ein. Fair waren aber nicht nur die Aktiven, sondern auch das Publikum, das frohen Mutes alle Teams anfeuerte.

Mit der Zeit besserten sich die Bedingungen etwas und der hinderliche, leichte Nebel verzog sich. In der Pause durften die Jüngsten ihr Rodeltalent beweisen. Acht Teilnehmer meldeten sich für die Schlittenfahrt an. Während die einen wahrlich den Hang hinunter sausten, mussten andere sich im Schnee abstoßen, um vorwärts zu kommen. Aber der Spaß und der olympische Gedanke zählten: Dabeisein ist alles.

Es folgte der zweite Wertungslauf und am Ende siegten die „Holzwürmer Kleinschmalkalden“ vor den heimischen „Volkssport Trusetal“ und dem „Thüringer Inselberg Express“. Zwölf Teams waren insgesamt am Start. Mit der Resonanz zeigten sich die Organisatoren zufrieden. Etwa 300 Zuschauer waren an die Strecke gekommen. Für das erst vor drei Wochen kurzfristig anberaumte Rennen ein gutes Ergebnis, befand Ralf Messerschmidt seitens des Organisationskomitees. Schon vor zwei Jahren, erinnerte er, war eine solche Veranstaltung. Doch damals fehlte der Schnee und alle Vorbereitungen waren umsonst. Nun kamen die Skifreunde Laudenbach auf die Hornschlittenteams kurzfristig zu und meinten, am Lift liege für solch ein Rennen noch genug Schnee. Gesagt, geschaut, getan – die Trusetaler Tourismus GmbH übernahm das Zepter. Zusammen mit zehn bis zwölf Helfern wurde die Veranstaltung auf die Kufen gestellt.

Das erste Hornschlittenrennen endete mit einer zünftigen Après-Ski-Party. Bis in den Abend hinein wurde die Premiere gefeiert. „Und das, wo es am ganzen Vormittag nur geregnet hat“, wunderte sich Ralf Messerschmidt ein wenig und staunte über die geleistete Arbeit und den Erfolg. Der gute Zuspruch an Schlitten und Zuschauern macht Mut für eine weitere Auflage im kommenden Jahr macht. Zumal die Skifreunde Laudenbach und ein privater Waldbesitzer schon jetzt ihre Unterstützung signalisiert haben. eh

Pressebericht Rainer Koch

Erschienen am 31.01.2009 00:00
Hornschlittenrennen
Da staunten sie nicht schlecht, die Bajuwaren „Volkssport“ Trusetal mit bisher bester Leistung in Garmisch-Partenkirchen
Von Rainer Koch

Trusetal – Der bisher größte Triumph des
aus der Trusetaler Werkstatt und seiner vierköpfigen Besatzung ist erst wenige Tage alt. Beim 40. Rennen um die internationale bayerische Meisterschaft in Garmisch-Partenkirchen – europaweit das bedeutendste Rennen – schaffte der Schlitten „Volkssport Trusetal“, auf dem Ralf Messerschmidt, Steffen Schmauch und Thomas Klinger sitzen (der Anschieber Torsten Wolf steht hinten auf den Kufen), außergewöhnliches. Platz drei!

„Eigentlich müssten wir jetzt aufhören. Eine bessere Platzierung ist schlecht möglich“, sinniert Ralf Messerschmidt in der Werkstatt der Familientischlerei, die linke Hand auf einem Schlitten. Rechts von ihm ein Schlitten, hinter ihm festgeschraubt mehrere Lagen gebogene und verleimte Eschenholzbrettchen. Das gibt die Kufen für den nächsten Schlitten. Im Bau von Hörnerschlitten Werdenfelser Bauart, wie die Bergbauern sie früher zum Transport von Holz und Heu hinab ins Tal benutzten, kennt sich der Tischlermeister aus Trusetal inzwischen bestens aus. Er tüftelt ständig an Verbesserungen. Die beiden Boliden links und rechts von ihm – seine besten – gibt er nicht her. Mit den anderen, die er auf Bestellung baut, hilft er, den Sport mit Gaudicharakter zu verbreiten, verschafft sich und seinem Team aber auch neue Konkurrenten.

Das Stockerl in Garmisch war bisher stets Bayern, vielleicht mal einem Schwaben oder Baden vorbehalten. Nun kamen Thüringer daher und fuhren die drittbeste Zeit auf der Wahnsinnsstrecke, auf der Geschwindigkeiten von 89, 90 km/h möglich sind – eine Majestätsbeleidigung! Mit stetigen Verbesserungen deuteten die Trusetaler ihren Willen an, weiter vorn zu landen: 54. – 25. – 17. – 11. – 10. ist der Reigen ihrer bisherigen Platzierungen.

Die Anfänge der Hornschlitten-Rennen hierzulande findet man im benachbarten Seligenthal. Dort war es der Kirmesverein, der um die Jahrtausendwende 99/00 auf die Idee kam, Hörnerschlittenrennen durchzuführen. Wie in den Alpen sollte es sein, Spaß sollte es machen. Es wurde mehr, wurde zur absoluten Attraktion. 2003, beim vierten Mal, rutschten auch Ralf Messerschmidt und andere Trusetaler in Seligenthal erstmals den Berg hinab. Erstmals waren da auch „echte“ Hörnerschlitten aus Schmölln dabei, mit Andreas Trautvetter dem Präsidenten des Thüringer Schlitten- und Bobsportverbandes. Man unterhielt sich, nahm diese Schlitten ins Visier. Ralf Messerschmidt beschloss, selbst einen zu bauen. Das war im Februar 2003. Tage, Wochen, Monate gingen ins Land, das zur Premiere angepeilte Rennen am 6. Januar 2004 in Garmisch-Partenkirchen nahte. Weihnachten in Sicht, ein Schlitten – nicht. Die Kumpels fragten nach. Da stellte Messerschmidt sich in die Familienwerkstatt, tischlerte innerhalb weniger Tage den ersten Trusetaler Hornschlitten Werdenfelser Bauart zusammen. Am 4. Januar war er startbereit, am 5. Januar ging es auf die Reise in die Alpen, am 6. Januar wurde gestartet – damals noch mit Michele Pepe und dem kräftigen, schnellen ehemaligen Leistungssportler Thomas Klinger als Anschieber. Michele ist in seine italienische Heimat zurückgekehrt, seinen Platz nahm Steffen Schmauch ein. „Und der Thomas hat einen Schonplatz erhalten, wie wir sagen“, lacht Ralf Messerschmidt. Ein Nasenbruch in Garmisch 2006 (Klinger richtet kurz die Nase, fährt trotzdem weiter), ein Muskelfaserriss wenig später in Kleinschmalkalden veranlasste endgültig die Umbesetzung, jetzt schiebt Torsten Wolf an.

Verrückt, ein bisschen wenigstens, muss man schon sein, um diesen rasanten Sport zu betreiben, bei dem Stürze, blaue Flecken, Hautabschürfungen immer mal drin sind. Auf ihrer Website haben die Volkssportler nicht nur ihre Platzierungen, nein, auch ihre Verletzungen und die Blessuren an den Schlitten fein säuberlich notiert.

Aber Garmisch-Partenkirchen bleibt für sie vom Spektakel her das Nonplusultra. Die Bedingungen in diesem Jahr waren schwierig und wurden stetig schlechter. Die Strecke war mit Kunstschnee von der Schanze belegt, der weich wurde, darunter Eisplatten. Da galt es höllisch aufzupassen. Mit der Erfahrung von inzwischen sechs Teilnahmen, dem neuen Schlitten und mit der passablen Startnummer 53 schafften es die Trusetaler aufs Stockerl und sorgten mit einem angeblichen Protest für Verblüffung. Eine Unstimmigkeit bei der Startnummernvergabe für einen der härtesten Konkurrenten stieß Thomas Klinger sauer auf, der darob die Jury befragte – das wurde bei der abendlichen Siegerehrung mit Bayernhymne, Bayernfahne öffentlich verkündet und diskutiert – „geklatscht haben aber die Bayern selbst, nicht wir Thüringer, denn die sind in den Dörfern untereinander auch wie Hund und Katze“, meint Messerschmidt verschmitzt.

Die Konzentration gilt nun den Rennen daheim. Längst hat sich der Hörnerschlittensport in der Gegend etabliert. Den Seligenthalern, die 2002 sogar den „1. Thüringer Hörnerschlittenverein“ gründeten, und Trusetalern folgten die Kleinschmalkalder und die Brotteröder, seit neuestem ist auch Winterstein mit von der Partie. Alles in allem dürften es inzwischen mehr als ein dutzend Schlittenbesatzungen sein, die heute den Thüringer Auftakt mit dem Rennen in Kleinschmalkalden vollziehen.

Der Saisonhöhepunkt wird am 7. März in Oberwiesenthal am Fichtelberg sein. „Die Strecke dort ist sehr schneesicher, sportlich anspruchsvoller als die in Garmisch-Partenkirchen. Und die Konkurrenz hart“, sagt Ralf Messerschmidt, der dort mit seiner Crew für Garmisch trainierte und 2006 Zweiter wurde.

Zu Hause in der Werkstatt nimmt derweil ein neuer Schlitten Gestalt an. Ist der nicht zu klein? „Der ist für den Nachwuchs bestimmt“, lächeln Ralf und seine Schwester, „die sehen uns fahren und wollen das selbst nun auch“. Die neue Generation sitzt in den Startlöchern – der Hörnerschlittensport, er hat Zukunft.

Pressebericht Bayernkurier

bayernkurier

Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 60, Nr. 03, 17. Januar 2009

Auf die Hörner

Garmisch-Partenkirchen feierte 2009 ein besonderes Jubiläum: Zum 40. Mal wurden am Dreikönigstag die Bayerischen Meisterschaften im Hornschlitten rennen ausgetragen. 111 Schlitten – teilweise über 60 Jahre alt – mit jeweils 4 Mann Besatzung nahmen angefeuert von 7000 Besuchern am waghalsigen Rennen an der Part nachalm teil. Auf den 1,2 Kilometern erreichten die Schlitten bis zu 90 km/h. Die Hornschlitten waren ursprünglich Arbeitsgeräte der Bergbauern, um Heu und geschlagenes Holz ins Tal zu transportieren. Die Sieger kamen in diesem Jahr vom Kochelsee: „Oache Sticht“ gewannen den bayerischen Meistertitel im Hornschlittenrennen vor dem Team „Pfuit’ Jörgl“ aus Grainau und „Volkssport Trusetal“ aus Thüringen. Bei den Damen – erst ab 2003 zugelassen – verteidigten die „Waxlstoana Berggamsn“ ihren Titel vor den „D’Werdenfelser Schneehasen“ und „De wuidn Möählan“.

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